Mathias Stein

Für Kiel, Altenholz und Kronshagen im Deutschen Bundestag

8. April 2019

Allgemein/Stein-Blog
Kreuz und quer durch Europa – Mit der Bahn!

2016 Interrail Pass Foto: MSc Utrecht/wikimedia, CC-SA 4.0

Jeder kennt es. Das Gefühl im Zug zu sit­zen und sich zu wün­schen, end­lich wie­der auf Rei­sen gehen zu kön­nen. Und nicht nur ein­fach bis zum eige­nen Arbeits­platz. Nein – Rei­sen, um neue Län­der, Spei­sen  oder Bräu­che ken­nen­zu­ler­nen. Die Frei­heit dazu will ich unter­stüt­zen!

Wir leben in Euro­pa und genie­ßen vie­le Frei­hei­ten. Nicht umsonst wird die Euro­päi­sche Uni­on als gro­ßes und erfolg­rei­ches Frie­dens­pro­jekt beschrie­ben. Eigent­lich kaum zu glau­ben: Denn vor mehr als 70 Jah­ren war Euro­pa tief gespal­ten. Der gesam­te Kon­ti­nent lag in Schutt und Asche. Die Europäer*innen stan­den vor dem Nichts. Man muss­te sich erst ein­mal wie­der an sein Gegen­über gewöh­nen. Das ande­re Spra­chen kein Zei­chen von Feind­lich­keit dar­stel­len, son­dern Chan­ce für eine gemein­sa­me Zukunft sind, muss­te erlernt wer­den. Von dort war es ein lan­ger Weg, der aber mit viel Arbeit zu einem erfolg­rei­chen Pro­jekt wur­de.

Vie­le Men­schen, die heu­te hier leben, sind aber mit einer ganz ande­ren Sicht auf­ge­wach­sen. Beson­ders jun­ge Men­schen ken­nen Euro­pa nur als einen geein­ten Kon­ti­nent: Sie ste­hen sich nicht im Streit gegen­über, son­dern tau­schen sich kul­tu­rell, poli­tisch oder sozi­al aus. Sie emp­fin­den das als hilf­reich und ler­nen viel von­ein­an­der. Das wir alle – auch die älte­ren Genera­tio­nen – über­haupt die Mög­lich­keit haben, uns ohne Hür­den aus­zu­tau­schen, liegt auch an prak­ti­schen Maß­nah­men wie dem Schen­ge­ner Abkom­men.  Das Über­ein­kom­men, das am 14. Juni 1985 den ers­ten Schritt mach­te und Stück für Stück die Kon­trol­len zwi­schen den Län­dern Frank­reich, Deutsch­land und den Bene­lux-Staa­ten abbau­en soll­te, umfasst heu­te 22 EU-Staa­ten und 4 Nicht-EU-Staa­ten (Nor­we­gen, Island, Schweiz und Lich­ten­stein). Die Gren­zen ver­schwan­den und das Gefühl der Gemein­sam­keit wuchs!

Ein euro­päi­sches Pro­jekt spie­gelt die­se Rei­se­frei­heit unse­res Kon­ti­nents in beson­de­rer Wei­se wie­der: Das „Inter­rail-Ticket“. Grund­sätz­lich ist es nur eine Art Zug­ti­cket. Aber bei jeder Fahrt ist der Geist der euro­päi­schen Rei­se­frei­heit mit an Bord. In den 1970ern ent­stan­den, soll­te es damals dem auf­kom­men­den Ruck­sack­tou­ris­mus eine preis­güns­ti­ge Alter­na­ti­ve der Fort­be­we­gung bie­ten. Jun­ge Leu­te bis 21 hat­ten so die Mög­lich­keit Euro­pa ken­nen­zu­ler­nen. Und: Bereits 1991, nach dem Zusam­men­bruch des Ost­blocks und dem Fall des Eiser­nen Vor­hangs, war eine Rei­se nach Ost­eu­ro­pa mög­lich. Der dar­aus ent­stan­de­ne Aus­tausch ist eine inte­gra­ti­ve Leis­tung, die ein­fa­cher und direk­ter ver­mut­lich hät­te nicht statt­fin­den kön­nen. 1991 reis­te ich sel­ber als jun­ger Mann mit Inter­rail durch Euro­pa über die Nie­der­lan­de, Bel­gi­en und die Schweiz bis nach Grie­chen­land. Die Ein­drü­cke die­ser Rei­se prä­gen noch immer mein Blick auf Euro­pa.

Heu­te neh­men bereits 31 Län­der an die­sem groß­ar­ti­gen und nach­hal­ti­gen Pro­jekt teil. Auch die Alters­gren­ze wur­de auf 27 Jah­re ange­ho­ben. Das Schie­nen­netz umfasst der­zei­tig 170.860 Kilo­me­ter. Es gibt also genug Stre­cke zum Erkun­den. Das den­ken sich jähr­lich sogar mehr 300.000 Per­so­nen und gehen auf Rei­se. Seit der ers­ten Auf­la­ge der Tickets haben mehr als sie­ben Mil­lio­nen jun­ge Europäer*innen Inter­rail genutzt und die Rei­se­frei­heit, die ver­schie­de­ne Kul­tu­ren, Gerich­te und Bräu­che Euro­pas am eige­nen Leib gespürt, geschmeckt und erfah­ren. Ich hal­te Inter­rail für ein Pro­jekt von unschätz­ba­ren Wert. Als Gesell­schaft müs­sen wir es wei­ter unter­stüt­zen.

An Pro­tes­ten wie #Fri­days­for­Fu­ture erkennt man, dass das Bewusst­sein für den Umwelt­schutz wächst. Trotz­dem wol­len wir mobil blei­ben. Nicht nur aus kul­tu­rel­ler, son­dern auch aus öko­lo­gi­scher Sicht ist Inter­rail und der Zug­ver­kehr in Euro­pa des­we­gen ein per­fek­ter Kom­pro­miss aus Ent­wick­lung und Öko­lo­gie, den es zu unter­stüt­zen gilt. Die EU plant Inter­rail mit 700 Mil­lio­nen Euro zu unter­stüt­zen. Wich­tig dabei ist eine gute Bahn-Infra­struk­tur. Und auch in Deutsch­land geht es vor­an: Bis­her hat­te der Bund ver­ein­bart jähr­lich 3,5 Mil­li­ar­den Euro für Ersatz­in­ves­ti­tio­nen an die die Deut­sche Bahn zu zah­len. Ab 2020 ist eine Stei­ge­rung von einer Mil­li­ar­de auf ins­ge­samt 4,5 Mil­li­ar­den Euro geplant. Das ist ein rich­ti­ger Schritt. Aller­dings nicht aus­rei­chend, wenn man bedenkt, dass die­se Sum­me gera­de mal für die Repa­ra­tur- und Aus­bau­ar­bei­ten des 34.000 km lan­gen deut­schen Schie­nen­net­zes aus­reicht. Unser Ziel ist es Euro­pa noch stär­ker zu ver­net­zen und unse­re Umwelt zu schüt­zen. Der Bahn­ver­kehr ver­eint bei­des. Nut­zen wir also die Chan­ce und stel­len wir unse­re Mobi­li­tät auf nach­hal­ti­ge Vari­an­ten um: Mit dem Wil­len zum Umden­ken und noch viel mehr Geld für eine euro­pa­wei­te Mobi­li­tät.

Bei­trag in der Zei­tung „Rund um Kirch­bar­kau“ im April

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