Mathias Stein

Für Kiel, Altenholz und Kronshagen im Deutschen Bundestag

21. September 2018

Allgemein/Pressemitteilungen/SPD/Termine im Bundestag und in Berlin
Kommentar zur Causa Maaßen

Lie­be Genos­sin­nen und Genos­sen,

mit sei­ner Ent­schei­dung, Hans-Georg Maaßen als Staats­se­kre­tär in sein Innen­mi­nis­te­ri­um zu beru­fen, hat Horst See­ho­fer der Bun­des­re­gie­rung, der Regie­rungs­ko­ali­ti­on und vor allem unse­rer Demo­kra­tie schwe­ren Scha­den zuge­fügt. Hans-Georg Maaßen hat als Prä­si­dent des Ver­fas­sungs­schut­zes öffent­lich unge­prüf­te und unwah­re Behaup­tun­gen geäu­ßert, anstatt die Bun­des­re­gie­rung und das Par­la­ment intern über sei­ne Beden­ken zu infor­mie­ren, so wie es sei­ne Auf­ga­be gewe­sen wäre. In einer poli­tisch ange­spann­ten Zeit, in der nicht nur in vie­len Städ­ten in Ost­deutsch­land ein zuneh­men­der Rechts­ruck zu beob­ach­ten ist, hat er Taten von Rechts­ra­di­ka­len in Abre­de gestellt und sich gewei­gert, die demo­kra­tie- und aus­län­der­feind­li­che AfD zu beob­ach­ten. Die­ser Mann ist seit Jah­ren auf dem rech­ten Auge blind und ich bin froh, dass mit sei­ner Abbe­ru­fung vom Chef­pos­ten im Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz die Wei­chen für einen Neu­start gelegt wur­den. Dafür – immer­hin – haben wir Sozi­al­de­mo­kra­ten gesorgt und das ist gut so.

Aber der Preis dafür war hoch, wie wir inzwi­schen wis­sen: Für mich ist es eben­so unver­ständ­lich wie uner­träg­lich, dass Horst See­ho­fer sei­nen Par­tei­freund Maaßen, der das Amt des Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­den­ten für sei­ne eige­ne poli­ti­sche Agen­da miss­braucht hat, jetzt auf einen höhe­ren Pos­ten im Minis­te­ri­um beför­dert, anstatt ihn mit roter Kar­te vom Spiel­feld zu schi­cken. Ich kann jede Genos­sin und jeden Genos­sen ver­ste­hen, die und den die­ses Manö­ver erschüt­tert, wütend und fas­sungs­los macht. Wir sind in die­se unge­lieb­te Koali­ti­on gegan­gen, um das best­mög­lichs­te für Kin­der und Fami­li­en, für Berufs­schü­ler und Stu­den­ten, für Arbeit­neh­mer und Rent­ner her­aus­zu­ho­len. Wir woll­ten das Leben der Men­schen in Deutsch­land ein biss­chen bes­ser machen – und uns nicht am Info­stand für die Eska­pa­den des CSU-Chefs ver­bal ver­prü­geln las­sen müs­sen.

„Der Gefähr­der“ wur­de Horst See­ho­fer am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de im Nach­rich­ten­ma­ga­zin „Der Spie­gel“ genannt und tat­säch­lich erle­ben wir seit Mona­ten einen gefähr­lich ver­ant­wor­tungs­lo­sen Bun­des­in­nen­mi­nis­ter auf dem Ego­trip. Wir erle­ben einen CSU-Chef, der kei­ne Gele­gen­heit aus­lässt, in der Ber­li­ner Regie­rungs­ko­ali­ti­on unsin­ni­gen Streit vom Zaun zu bre­chen, um bei der Land­tags­wahl in Bay­ern den Ein­druck von Unbeug­sam­keit und Durch­set­zungs­stär­ke zu erwe­cken. Bei der Koali­ti­ons­kri­se um die Flücht­lings­fra­ge im Früh­som­mer ist ihm das nicht gelun­gen, bei dem Streit um die Per­so­na­lie Maaßen sieht es lei­der anders aus. Und was man dazu sagen muss: Je lau­ter sich die SPD über sei­nen demo­kra­tie­schä­di­gen­den Affront erregt, des­to bes­ser steht er daheim in Bay­ern da. See­ho­fer kann sich zudem lei­der sicher sein, dass er vor der Bay­ern­wahl von Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel nichts zu befürch­ten hat, da sie den Vor­sit­zen­den der Schwes­ter­par­tei bei allem Unmut über sein Ver­hal­ten vor dem Wahl­tag nicht aus dem Kabi­nett kegeln kann. Er hat de fac­to Nar­ren­frei­heit bis zum 14. Okto­ber – und die nutzt er rück­sichts­los aus. Die SPD ist nicht die ein­zi­ge, die dabei Scha­den nimmt.

Ich weiß um den gro­ßen Frust in unse­rer Basis und tei­le die Sor­ge um die Zukunft unse­rer Par­tei. Aber bei allem Ver­ständ­nis dafür, dass die Emo­tio­nen die­ser Tage hohe Wel­len schla­gen, war­ne ich doch vor vor­ei­li­gen Schlüs­sen und unso­li­da­ri­schem Ver­hal­ten. Es wur­den stra­te­gi­sche und kom­mu­ni­ka­ti­ve Feh­ler gemacht zu einer Zeit, in der wir uns kaum Feh­ler erlau­ben dür­fen. Dar­über müs­sen wir reden: in unse­ren Par­tei­gre­mi­en in Stadt und Land, im Bun­des­vor­stand und nicht zuletzt in der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on. Bei unse­rer Son­der­sit­zung zu Beginn der Sit­zungs­wo­che in Ber­lin am kom­men­den Mon­tag wer­den wir intern kon­struk­tiv und in aller Offen­heit über unse­re Arbeit und die Zusam­men­ar­beit inner­halb der Bun­des­re­gie­rung spre­chen.

Neben dem Neu­start im Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz brau­chen wir einen Neu­start in der schwarz-roten Koali­ti­on in Ber­lin. Die CSU muss sich spä­tes­tens nach der Land­tags­wahl in Bay­ern ent­schei­den, ob sie die Bun­des­po­li­tik wei­ter­hin mit ihren lan­des­po­li­tisch moti­vier­ten Macht­spie­len im Kri­sen­mo­dus hal­ten will oder sich end­lich kon­struk­tiv, ver­läss­lich und ver­ant­wor­tungs­voll an der Regie­rungs­ar­beit betei­ligt. Wäh­rend unse­re SPD-Minis­te­rin­nen und Minis­ter die Ren­te sichern, den Ver­brau­cher­schutz stär­ken, die Kitas ver­bes­sern und die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf ver­bes­sern, wird die Lis­te der uner­le­dig­ten Auf­ga­ben der CSU-Minis­ter immer län­ger: Ange­fan­gen bei der unge­lös­ten Fra­ge zur Nach­rüs­tung von Die­sel-Fahr­zeu­gen über die aku­te Woh­nungs­not bis hin zu migra­ti­ons­po­li­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen wie der Erar­bei­tung eines moder­nen Ein­wan­de­rungs­ge­set­zes. Die CSU muss end­lich vom Wahl­kampf- in den Arbeits­mo­dus wech­seln und bewei­sen, dass sie regie­rungs­taug­lich ist.

Wir alle haben Ver­ant­wor­tung für Deutsch­land. Es wird Zeit, dass sich auch die CSU ent­spre­chend ver­hält.

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