Mathias Stein

Für Kiel, Altenholz und Kronshagen im Deutschen Bundestag

4. Februar 2016

Allgemein/Stein-Blog
Gleichstellung

An die­ser Stel­le möch­te ich an einem Bei­spiel schil­dern, wie Gre­mi­en­ar­beit funk­tio­niert – mit und ohne männ­li­che Domi­nanz.

Als ich 1996 beim Lan­des­ju­gend­ring in den Vor­stand kam, gab es zwar weib­li­che Vor­stands­mit­glie­der. Der Vor­stand wur­de aber deut­lich bestimmt durch eine Vor­sit­zen­den und einen  Geschäfts­füh­rer.

Kurz vor­her hat­te eine Debat­te über Mäd­chen- und Frau­en­ar­beit in Jugend­ver­bän­den gege­ben. Was folg­te war eine durch­aus mit Wider­stän­den ver­bun­de­ne Dis­kus­si­on über bes­se­re Gre­mi­en­ar­beit.
Reden ohne Wort­mel­dun­gen, Geschäfts­füh­rer und Vor­sit­zen­der haben die wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen vor der Sit­zung bereits getrof­fen, die Arbeit mit Tisch­vor­la­gen und Abspra­chen wer­den beim Bier getrof­fen.
Die Arbeit mit Frau­en in Gre­mi­en ist meist sach­ori­en­tier­ter, span­nen­der und ziel­ori­en­tier­ter.

Der Lan­des­ju­gend­ring hat­te dann  1999 eine Gre­mi­en­hil­fe für Frau­en und Män­ner her­aus­ge­ge­ben „Män­ner­lust – Frau­en­frust?   / Frau­en­lust – Män­ner­frust?“ Für mich kann ich zusam­men­fas­sen, dass je höher der Frau­en­an­teil ist, je mehr macht mir die Gre­mi­en­ar­beit Spaß.

Um Demo­kra­tie zu erhal­ten brau­chen wir auch Ver­än­de­run­gen in den demo­kra­ti­schen Gre­mi­en. Wir müs­sen akzep­tie­ren, dass poli­ti­sche Betei­li­gung auch bei Dop­pel-, Drei­fach und Vier­fach­be­las­tung statt­fin­den kann.

Ein wei­te­rer Grund ist, dass sich in den letz­ten Jah­ren aus mei­ner Sicht die Gleich­stel­lung von Mäd­chen und Frau­en erheb­li­che Rück­schrit­te erfah­ren hat. Die­se betrifft nicht nur das Spar­pa­ket der Bun­des- und Lan­des­re­gie­rung.

Was soll­te aus mei­ner Sicht gleich­stel­lungs­po­li­tisch und frau­en­po­li­tisch getan wer­den?

An die­ser Stel­le will ich eine wah­re Bege­ben­heit aus mei­nem betrieb­li­chen All­tag schil­dern.
Ich wur­de vom Per­so­nal­rat beauf­tragt, die Stel­len­be­set­zung für eine Bau­in­ge­nieu­rin / einen Bau­in­ge­nieur zu beglei­ten. Es ging um die Vor­auswahl zu einem Vor­stel­lungs­ge­spräch. Nach dem Bun­des­gleich­stel­lungs­ge­setz ist vor­ge­se­hen, dass in Berei­chen, wo Frau­en unter­prä­sen­tiert sind, pari­tä­tisch zu Vor­stel­lungs­ge­sprä­chen ein­zu­la­den ist.
Ein sehr gründ­li­cher umsich­ti­ger Mit­ar­bei­ter – Bau­in­ge­nieur mit Uni­ver­si­täts­stu­di­um – gab mir die Bewer­bungs­un­ter­la­gen (70 männ­li­che Bewer­ber und 30 weib­li­che Bewer­be­rin­nen) und sag­te „ …. es sol­len 5 Män­ner und 2 Frau­en zu den Bewer­bungs­ge­sprä­chen ein­ge­la­den wer­den“. Auf mei­ne Rück­fra­ge war­um nicht pari­tä­tisch ein­ge­la­den wur­de, sagt mir der Kol­le­ge, dass die wei­te­ren weib­li­chen Bewer­be­rin­nen „nichts tau­gen“ und außer­dem habe die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te schon genickt.
Es hat mich eini­ge Kraft gekos­tet, dafür zu sor­gen, dass dann schließ­lich 5 Män­ner und 5 Frau­en ein­ge­la­den wur­den — am Ende wur­de dann doch ein Mann ein­ge­stellt!

Die­ses Bei­spiel macht deut­lich, dass schö­ne Geset­ze zur Gleich­stel­lung – ohne Rechts­fol­gen nicht hel­fen wirk­li­che Gleich­be­rech­ti­gung her­zu­stel­len.
Der zen­tra­ler Punk­te muss aus mei­ner Sicht ein Quer­schnitts­the­ma sein: Über­win­dung  männ­li­cher Macht- und Herr­schafts­struk­tu­ren oder posi­tiv gesagt: Gestal­tung mensch­li­che­ren – gerech­te­ren – demo­kra­ti­sche­ren Struk­tu­ren in Behör­den, Betrie­ben und in der Poli­tik.
Dazu gehört aus mei­ner Sicht:

  • Ver­än­de­run­gen im Steu­er- und Trans­fer­sys­tem:
    • Ehe­gat­ten­split­ting abschaf­fen
    • kos­ten­freie Bil­dung – und Kin­der­be­treu­ung
    • kei­ne Kin­der­frei­be­trä­ge mehr ,
  • Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te stär­ken,
  • fes­te Quo­ten bei Ein­stel­lun­gen in Berei­chen, wo Frau­en unter­prä­sen­tiert sind
  • Kon­se­quen­te Nut­zung und Steue­rung von Gen­der Bud­ge­ting
  • Schaf­fung „fami­li­en­freund­li­che“ Lan­des­ver­wal­tung

Hier möch­te ich dar­auf ver­wei­sen, dass es Unter­su­chun­gen gibt die hier­für eine Ren­di­te von 25 % spre­chen – ech­te Ein­spa­run­gen.

Ich bin der fes­ten Über­zeu­gung die­se Ren­di­te – nicht nur mate­ri­ell —  brin­gen auch vie­le ande­ren gleich­stel­lungs­po­li­ti­sche Maß­nah­men.

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