Mathias Stein

Für Kiel, Altenholz und Kronshagen im Deutschen Bundestag

26. April 2014

Nord-Ostsee-Kanal
Champions-League statt sinnentleerte Bündelung

Nach den neu­en Plä­nen von Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Dob­rindt sol­len die Was­ser- und Schiff­fahrts­äm­ter Bruns­büt­tel und Kiel-Hol­ten­au zusam­men­ge­legt wer­den. Was bedeu­tet die­ses für den Nord-Ost­see-Kanal?

„Sinn­vol­le Bün­de­lung“ so stand es kürz­lich im Kom­men­tar der Kie­ler Nach­rich­ten. Die Kie­le­rin­nen und Kie­ler sol­len nun nach jahr­zehn­te­lan­gen sinn­lo­sen Reform­be­mü­hun­gen leuch­ten­de Augen bekom­men. Kiel wür­de Haupt­sitz einer stol­zen Kanal­ver­wal­tung wer­den. Geht es nach dem geschätz­ten Kom­men­ta­tor kön­nen schon bald neue Ver­wal­tungs­ge­bäu­de in der Wik bezo­gen wer­den. Wie schön wäre es, die­sen Opti­mis­mus zu tei­len.

Ich fürch­te nur, mit der Rea­li­tät hat die­ses Bild nicht viel zu tun. Abge­se­hen von der Tat­sa­che , dass die betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten aus den Medi­en oft bes­ser infor­miert wer­den als von den Pla­nern die­ser Reform, blei­ben eini­ge Bro­cken für eine blü­hen­de Ent­wick­lung am Nord-Ost­see-Kanal im Weg. Was ist mit den ange­kün­dig­ten Stel­len­ein­spa­run­gen durch die Reform?
Soll­te die Was­ser- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung nicht von 13.000 Beschäf­tig­ten auf weni­ger als 10.000 redu­ziert wer­den?

Kann der Kampf mit dem Sanie­rungs­stau gewon­nen wer­den oder muss wei­ter mit grö­ße­ren Aus­fäl­len der Schleu­sen gerech­net wer­den? Wann fin­den end­lich die Grund­sa­nie­run­gen der Schleu­sen­an­la­gen in Kiel und Bruns­büt­tel statt?

Der Stel­len­ab­bau in der Was­ser- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung geht nicht nur am NOK mun­ter wei­ter. Per­so­nal­stel­len wer­den benö­tigt für diver­se bun­des­wei­te Bün­de­lungs­auf­ga­ben eben­so wie für die Gene­ral­di­rek­ti­on in Bonn oder der neu­en Minis­te­ri­ums­ab­tei­lung für digi­ta­le Infra­struk­tur. Vie­les deu­tet dar­auf­hin, dass hier­für wie­der Stel­len von Handwerker_innen, Techniker_innen und Inge­nieu­re/-innen her­hal­ten müs­sen.

Das sind nicht gera­de die bes­ten Bedin­gun­gen für eine „neue“ Ver­wal­tungs­struk­tur am Kanal. Die Ziel­set­zung heißt dann: Per­so­nal­ab­bau mit vor­aus­ei­len­den Gehor­sam. Dabei wer­den dann – ganz neben­bei — die Stand­or­te Kiel, Rends­burg und Bruns­büt­tel sinn­los gegen­ein­an­der in Stel­lung gebracht. Es geht dann nur noch um Sie­ger und Besieg­te. Wer darf, wem etwas sagen. Wer
wird „Koch“, wer „Kell­ner“. Ein zer­mür­ben­des Spiel um Zustän­dig­keit beginnt und wird ver­mut­lich erst nach Jah­ren enden. Bei die­sem Spiel gibt es eigent­lich nur Ver­lie­rer. Denn der Pati­en­ten – eine maro­de Was­ser­stra­ße mit inter­na­tio­na­len Poten­zi­al – gerät nur all­zu sehr in Ver­ges­sen­heit.

Die­ser Irr­weg soll­te nicht gegan­gen wer­den.

Das etwas ver­än­dert wer­den muss ist jedem klar, der mit dem NOK zu tun hat. Wie wäre es, sich an kla­re ein­deu­ti­ge Zie­le zu ori­en­tie­ren und danach eine effi­zi­en­te Ver­wal­tungs­struk­tur auf­zu­bau­en. Der NOK muss 24 Stun­den am Tag an 365 Tagen im Jahr für die inter­na­tio­na­le Schiff­fahrt ver­füg­bar sein, die­ses ist eines der wesent­li­chen Zie­le. Die anste­hen­den Inves­ti­ti­ons- und Sanie­rungs­maß­nah­men zuver­läs­sig, pünkt­lich und im geplan­ten Kos­ten­rah­men zu rea­li­sie­ren, stellt ein wei­te­res Ziel dar. Kei­ne Fra­ge – das sind ehr­gei­zi­ge Zie­le. Aber für ein Land mit einer lan­gen Tra­di­ti­on des Hand­werks und der Inge­nieurs­kunst ange­mes­sen. Es gilt, sich an der Cham­pi­ons League statt an die Kreis­klas­se zu ori­en­tie­ren. Die Beschäf­tig­ten am NOK haben das Poten­zi­al dazu, es feh­len ihnen nur die mate­ri­el­len, per­so­nel­len Mit­tel und die rich­ti­gen Ent­schei­dun­gen. Viel­leicht denkt der Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter dar­an, wenn er das nächs­te Cham­pi­ons League Spiel einer bay­ri­schen Mann­schaft anschaut.

Ganz neben­bei könn­te es auch hilf­reich sein, ihm zu sagen: Schles­wig-Hol­stein kann Cham­pi­ons League – aller­dings zunächst nur beim Hand­ball.

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